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Clubmeeting Basel mit Ukrainerin (Mitte mit grauem Kleid)

Ukraine – Hilfsaktion – Bericht Basel

Der Krieg in der Ukraine geht uns alle an. Die Solidarität ist riesig, nahezu jeder möchte irgendwie helfen, Sammlungen, Geldspenden, Begleitung, Unterkunft, alles ist herzlich willkommen.

Ende März berichtete uns eine Basler Freundin, dass sie eine Familie mit 5 Kindern samt Eltern und Tante aufgenommen habe. Bei sich zu Hause! Sozusagen als Schritt 1. Schritt 2 war, ein für die nächsten 18 Monate leerstehendes Haus wieder in Stand zu setzen und für die Familie vorzubereiten.

Wir bekamen eine Bedarfsliste, angefangen bei Regenkleidung und Gummistiefeln in 9 Grössen, einem kompletten Haushaltsbedarf vom Kaffeelöffel bis zur Bratpfanne, Duvets, Bettwäsche, Handtücher, Küchentücher, einer Kinderzimmereinrichtung für die 2-Jährige, Schreibtische für die Schulkinder bis hin zu Spielen und Dingen für den täglichen Bedarf.

Die meisten unserer Basler Soroptimistinnen sind in einer WhatsApp-Gruppe vernetzt, diese nutzten wir, um den Aufruf zu streuen. Und – ich bin ehrlich – ich habe noch nie in meinem Leben so viele WhatsApp-Meldungen zurückbekommen wie an dem besagten Freitag im März. Innerhalb von drei Stunden waren auf der langen Bedarfsliste nur noch “erledigt”- Häckchen und dazu mehrere Abhol-Touren in Vorbereitung.

Am Sonntag des selben Wochenendes “musste” ich ein Stopp senden, “unser” Haus war komplett ausgestattet. Es ist einfach unglaublich, was unsere Sorores und deren Kinder und Familien alles bereit waren zu geben – toll.

Am nächsten Meeting berichteten wir über das Gelungene und mussten unsere “Nicht- WhatsApp-Nutzerinnen” fast trösten, weil wir sie gar nicht mehr ins Boot holen konnten. Spontan beschlossen unsere Mitglieder, an dem Abend eine Sammlung zu veranstalten, sodass wir noch ein Kuvert mit CHF 510 an die 9-köpfige Familie übergeben konnten.

Die Familie ist nun eingezogen, die Kinder gehen zur Schule, die Mutter überlegt, ob sie nicht als Tagesmutter Geld verdienen und parallel dazu andere ukrainische Mütter unterstützen kann.

Wir können sehr zufrieden sein mit dieser “Direkthilfe-Aktion” und sind es auch. Trotz allem möchten wir aber auch aufmerksam machen, dass die Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie extremes Zeit- und Geld-Engagement beinhaltet. Man steht stundenlang bei Behörden an, der “Kampf” mit den Gemeinden war nicht ohne, da das Haus in der Nachbargemeinde steht, finanzielle Unterstützung bekam die Familie erst nach 37 Tagen, solange lebte sie auf Kosten ihrer Gastgeber.

Es muss schrecklich sein, alles verloren und die Flucht überstanden zu haben und dann für jedes Stück Brot dankbar sein zu müssen. Wir hoffen inständig, dass sich hier auf Gemeinde- und Kantonsebene noch einiges tut, damit der Solidaritätsschub nicht an administrativen Dingen scheitert.

Die internationale Plattform Crampax ist der Link zu den Wohnungssuchenden, wenn ihr auf den Geschmack gekommen seid, liebe Sorores. Es gibt noch viele Suchende!

Christl Hösch / Kommunikation SI Club Basel / 20.04.2022